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Warum ich kein Hundetraining mehr gebe – und warum ich den Sport trotzdem nie aufgebe

Es ist offiziell: Ich gebe kein Hundetraining mehr. Nicht, weil mir nach über 25 Jahren die Lust gefehlt hätte. Nicht, weil die Nachfrage weg wäre. Sondern weil ich es in Deutschland ohne die behördliche Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 8f Tierschutzgesetz rechtlich nicht mehr darf.

An genau diesem Prüfverfahren habe ich den Stecker gezogen.

Versteht mich nicht falsch: Die Grundidee einer Prüfung für Hundetrainer finde ich richtig. Qualitätssicherung, Tierschutz, Schutz vor unseriösen Methoden – wer wollte dem widersprechen? Aber was das Amtssystem daraus gemacht hat, hat mit dieser Idee wenig zu tun. Nach dem, was ich im September 2025 mit dem Veterinäramt Karlsruhe erlebt habe, ist für mich klar: So mache ich das nicht mit.

Woher ich komme

Wer mich und Discrockers kennt, weiß: Das ist keine Laune.

  • Seit 1997 betreibe ich Hundefrisbee und habe den Sport damals mit als einer der Ersten nach Europa gebracht.
  • Seit über 25 Jahren stehe ich bei Wind und Wetter auf dem Platz.
  • Unzählige Mensch-Hund-Teams habe ich in Seminaren, Workshops und Einzeltrainings ausgebildet.

Es gab damals in Deutschland und Europa niemanden, bei dem man eine fertige Hundetrainer-Ausbildung für diesen Sport hätte machen können. Ich habe mir das System selbst erarbeitet und in Jahrzehnten praktischer Arbeit verfeinert.

Das geht weit über Scheibenschmeißen hinaus. Es geht um Bewegungsabläufe, Gelenkschonung, Scheibenlehre, Sprungtechnik, Belastungssteuerung und gezielten Triebaufbau. Fachkompetenz zeigt sich darin, Verletzungsrisiken zu erkennen und Trainingsschritte so aufzubauen, dass sie für den Hund gesund, sicher und anatomisch vertretbar sind. Nicht darin, Lehrbuchkapitel aufzusagen.

Theorie vor Praxis – und dann keine Einsicht

Dass ich die Theorieprüfung nicht bestehen würde, war mir vorher klar. Nicht, weil ich den Hund oder das Training nicht kann. Sondern weil ich wusste, welcher Multiple-Choice-Katalog auf mich wartet: theoretische Fachbegriffe und Bezeichnungen, die ich in fast 30 Jahren Praxis so nie gebraucht habe. Wenn im Bogen dann auch noch Dinge wie Mindestmaße für Hundezwinger abgefragt werden, fragt man sich, was das mit spezialisierter Trainingsarbeit zu tun hat.

Im Vorgespräch saß ich zwei sehr netten und sympathischen Damen vom Amt gegenüber. Sie haben mich sogar ermutigt. Das Problem sitzt nicht bei den Menschen vor Ort. Es sitzt im starren Verfahren. Der Test läuft durch, ohne dass unpassende Theoriefragen aussortiert oder fachspezifisch angepasst werden können.

Das Ergebnis: 67 Prozent. Bestanden hätte man ab 75 Prozent. Acht Prozent Abstand – trotz jahrzehntelanger Praxis, ohne Behördenvokabeln zu pauken. Die Damen ermutigten mich, den Test für 80 Euro Gebühr einfach nochmal zu versuchen. Warum sollte ich Geld hinterherwerfen, um mich noch einmal über denselben Katalog abfragen zu lassen, der mit meiner Arbeit so wenig zu tun hat?

Der eigentliche Systemfehler kommt danach: Zur praktischen Prüfung wird erst zugelassen, wer die Theorie bestanden hat. Erfahrene Praktiker, die seit Jahrzehnten auf dem Platz stehen und gesundheitsgefährdende Fehler im Bewegungsablauf sofort sehen, können am Bildschirm scheitern. Wer die richtigen Begriffe ankreuzt, kommt weiter. Die Befähigung eines Trainers zeigt sich aber am Hund – nicht am Multiple-Choice-Rechner.

Nach dem Test gab es keine transparente Fehlereinsicht. Ich konnte nicht nachvollziehen, welche Fragen wie gewertet wurden und wo die angeblichen Fehler lagen. Wo keine Einsicht möglich ist, gibt es auch keinen Lerneffekt. Dann bleibt ein Verfahren, das prüft, ohne zu erklären.

Meine Konsequenz

Ich lasse mir nach fast drei Jahrzehnten erfolgreicher Praxisarbeit nicht von diesem Verfahren absprechen, dass ich Mensch-Hund-Teams ausbilden kann.

Ich habe dem Veterinäramt Karlsruhe das klar gesagt und mich offiziell aus dem Prüfungsverfahren zurückgezogen. Solange sich an diesem System nichts ändert, gebe ich kein behördlich zugelassenes Training mehr. Diesen Prozess unterwerfe ich mich nicht weiter.

Was sich ändern müsste

Damit § 11 Tierschutzgesetz seinem Zweck gerecht wird, braucht es Reformen:

  1. Praxis vor Theorie – oder wenigstens parallel. Die Befähigung eines Trainers zeigt sich auf dem Platz am Hund und an der Sicherheit im Training.
  2. Erfahrung und Spezialisierung anerkennen. Wer Jahrzehnte Praxis und Pionierarbeit vorweist, darf nicht an einem Einheitskatalog scheitern. Es braucht praxisnahe, fachspezifische Module.
  3. Spielraum und Transparenz. Prüfer müssen unpassende Fragen abwählen können. Prüflinge müssen das Recht haben, ihre Bögen detailliert einzusehen.

Die Idee von geprüften Trainern bleibt richtig. So, wie es aktuell läuft, trifft sie genau die Leute, die seit Jahrzehnten echte Arbeit auf dem Platz leisten – und lässt das Verfahren selbst unangreifbar.

Warum ich auch keine Wettbewerbe mehr organisiere

Unabhängig von § 11 habe ich aufgehört, Wettbewerbe zu organisieren.

Nicht, weil mir der Sport egal geworden wäre. Im Gegenteil. Aber in der Szene gibt es zu viele harte Egos, die Erfolg auf dem Rücken der Hunde austragen. Wenn der Titel wichtiger wird als der Körper, die Freude und die Gesundheit des Hundes, will ich dafür keine Bühne mehr bauen.

Ich liebe diesen Sport. Ich werde nie aufhören, ihn mit meinen Hunden auszuüben. Hundefrisbee bleibt ein Teil von mir – auf dem Platz, mit meinen Hunden, in dem Tempo und mit der Sorgfalt, die sie verdienen. Nur eben nicht mehr als behördlich zugelassenes Training. Und nicht mehr als Veranstalter von Wettbewerben, in denen der Hund zur Kulisse für den Ehrgeiz des Menschen wird.

Hundefrisbee – oder Discdogging – ist für mich ein Lifestyle. Wie Skateboard fahren. Wie Musik lieben. Das gibt man nicht auf, nur weil einem irgendwo die Bühne oder die Prüfung nicht passt. Das bleibt.

Unseren Hunden ist es völlig egal, ob wir mit ihnen in einem Stadion vor 60.000 Zuschauern eine Show spielen oder im Hinterhofgarten. Für sie zählt das Spiel mit uns – nicht die Bühne.

Und ja: Es gibt soooooo viele tolle Hundefrisbee-Leute. Menschen, die den Hund zuerst sehen. Die bleiben. Nur merkt man das oft zu wenig, weil sich – wie immer – die Negativen im Gedächtnis festsetzen. Den Guten gilt mein Respekt. Den Sport gebe ich deshalb nicht auf. Nur die Bühne, auf der Ego vor Hund geht.